Zwei Jahre Geschäftsführer – Gerrit Bartsch über Wachstum, Veränderungen und die Zukunft der TG Böckingen

Seit November 2024 steht Gerrit Bartsch an der Spitze der TG Böckingen 1890 e.V. und des Sportparks 1890. Der ehemalige Handballprofi, der unter anderem für den TuS N-Lübbecke und GWD Minden spielte, studierte Wirtschaftswissenschaften und Sportmanagement und sammelte anschließend umfangreiche Erfahrungen in der Unternehmens- und Vereinsentwicklung.

Nach zwei Jahren im Amt zieht der 37-Jährige eine positive Bilanz. Im Mittelpunkt standen zunächst die wirtschaftliche und strukturelle Neuausrichtung des Sportparks. Nun richtet sich der Blick verstärkt auf die Zukunft des Gesamtvereins, neue Gesundheitsangebote sowie die Förderung von Kindern und Jugendlichen.

Im Interview mit Uschi Bühler und der Redaktion des Sportparks 1890 spricht Bartsch über die vergangenen zwei Jahre, wichtige Veränderungen und seine Vision für die Zukunft.

 

„Sport, Gemeinschaft und Zukunft gestalten“

Geschäftsführer Gerrit Bartsch im Interview über zwei Jahre TG Böckingen, die Entwicklung des Sportparks 1890 und die Zukunft des Vereins

Herr Bartsch, seit November 2024 sind Sie Geschäftsführer der TG Böckingen. Wenn Sie heute auf die vergangenen zwei Jahre zurückblicken: Wie fällt Ihr Fazit aus?

Sehr positiv. Als ich meine Tätigkeit begonnen habe, war schnell klar, dass wir vor einigen Herausforderungen stehen, gleichzeitig aber auch enormes Potenzial vorhanden ist. Die vergangenen zwei Jahre waren geprägt von vielen Gesprächen, Analysen und Veränderungen. Besonders freut mich, dass wir gemeinsam mit unserem Team, dem Vorstand und vielen Ehrenamtlichen wichtige Grundlagen geschaffen haben, um die TG Böckingen und den Sportpark zukunftsfähig aufzustellen.

Welche strategischen Schwerpunkte standen dabei im Mittelpunkt?

Im Jahr 2025 lag unser klarer Fokus zunächst auf dem Sportpark 1890. Das hat einen einfachen Grund: Der Sportpark ist mit Abstand die größte Abteilung der TG Böckingen und wirtschaftlich ein sehr wichtiger Baustein für den Gesamtverein.

Deshalb war es für uns entscheidend, den Sportpark sowohl strukturell als auch finanziell neu auszurichten. Wir haben Prozesse optimiert, Verantwortlichkeiten geschärft, neue Angebote geschaffen und gleichzeitig die Betreuung unserer Mitglieder weiterentwickelt. Dabei haben wir bewusst neue Wege eingeschlagen.

Der Erfolg gibt uns recht: Im Jahr 2025 konnten wir ein Wachstum von rund 21,5 Prozent erzielen. Zu Beginn des Jahres 2026 konnten wir dieses Wachstum nochmals um weitere zwei Prozent steigern. Das zeigt, dass unsere Angebote hervorragend angenommen werden und wir mit unserer Ausrichtung den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Welche Faktoren waren aus Ihrer Sicht entscheidend für diesen Erfolg?

Zum einen natürlich unser engagiertes Team. Ohne motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wären solche Entwicklungen nicht möglich.

Zum anderen haben wir verstärkt darauf gesetzt, Menschen zusammenzubringen und den Sportpark noch stärker als Begegnungsstätte zu etablieren. Bewegung, Gesundheit und Gemeinschaft gehören für uns untrennbar zusammen.

Deshalb haben wir 2025 erstmals eine große After-Work-Party in Verbindung mit einem Hobby-Volleyballturnier veranstaltet. Die Resonanz war überwältigend. Solche Veranstaltungen schaffen Identifikation und zeigen, dass Sport weit mehr ist als Training allein.

Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich das zehnjährige Jubiläum des Sportparks 1890 im März 2026. Wir wurden förmlich von der positiven Resonanz überrannt. Die Besucherzahlen, die Stimmung und das Feedback haben uns gezeigt, welchen Stellenwert der Sportpark mittlerweile in Böckingen und darüber hinaus hat.

Der Sportpark 18-90 hat sich in den vergangenen Monaten ebenfalls weiterentwickelt. Welche Neuerungen gibt es dort?

Der klassische Fitnessbereich bleibt selbstverständlich weiterhin ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots. Gleichzeitig haben wir uns jedoch bewusst dazu entschieden, den Gesundheitsbereich deutlich auszubauen und neue Schwerpunkte zu setzen.

So haben wir unsere medizinisch orientierte Trainingsbetreuung, die Sporttherapie und die individuelle Gesundheitsberatung weiterentwickelt und neu strukturiert. Hierfür wurde ein eigener Sporttherapieraum geschaffen, in dem wir Menschen gezielt bei Beschwerden begleiten können.

Gemeinsam mit unserem Sporttherapeuten können wir individuelle Trainingslösungen bei Schulter-, Rücken-, Knie- oder anderen Bewegungsbeschwerden anbieten. Ob im Personal Training oder in kleinen Zwei- oder Dreiergruppen – unser Ziel ist es, Menschen nachhaltig zu unterstützen und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Darüber hinaus haben wir unsere diagnostischen Möglichkeiten erweitert. Mit der InBody-Körperanalyse verfügen wir über ein modernes Analyseinstrument, mit dem wir die Körperzusammensetzung, Muskelmasse, den Körperfettanteil und weitere relevante Parameter erfassen können. Dadurch können wir Trainings- und Gesundheitsprogramme deutlich individueller gestalten.

Ein weiteres spannendes Angebot ist im Juni 2026 mit dem Mitovit-Höhentraining gestartet. Dabei absolvieren unsere Mitglieder in entspannter Atmosphäre ein simuliertes Höhentraining. Das Verfahren arbeitet mit wechselnden Sauerstoffkonzentrationen und soll Anpassungsprozesse des Körpers anregen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Mitochondrien, die häufig als die „Kraftwerke unserer Zellen“ bezeichnet werden.

Wir sehen darin eine interessante Ergänzung unserer bestehenden Angebote rund um Regeneration, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Gerade für Menschen, die im Alltag stark belastet sind, möchten wir zusätzliche Möglichkeiten schaffen, sich bewusst mit ihrer Gesundheit und Erholung auseinanderzusetzen.

Mit diesen Investitionen verfolgen wir ein klares Ziel: Wir möchten den Sportpark 1890 zunehmend als ganzheitliches Gesundheits- und Bewegungszentrum positionieren, das weit über das klassische Fitnesstraining hinausgeht.

Der Sportpark scheint aktuell sehr erfolgreich unterwegs zu sein. Wo liegt nun Ihr Fokus für die kommenden Jahre?

Nachdem wir im Jahr 2025 und Anfang 2026 einen sehr starken Schwerpunkt auf den Sportpark gelegt haben, richtet sich der Blick nun verstärkt auf den Gesamtverein.

Die TG Böckingen ist mit ihren zahlreichen Abteilungen einer der größten und traditionsreichsten Sportvereine der Region. Deshalb beschäftigen wir uns aktuell intensiv mit der Frage, wie wir Verein und Abteilungen noch moderner, professioneller und zukunftssicher aufstellen können.

Dabei geht es nicht darum, Bewährtes zu ersetzen, sondern bestehende Stärken weiterzuentwickeln. Wir möchten die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen fördern, Prozesse vereinfachen und neue Möglichkeiten schaffen.

Gleichzeitig wollen wir gemeinsam mit unseren Abteilungen überlegen, welche Angebote künftig besonders gefragt sein werden und wie wir noch mehr Menschen aus Böckingen und der Umgebung erreichen können.

Welche Themen liegen Ihnen dabei besonders am Herzen?

Ein ganz wichtiger Schwerpunkt ist für mich der Kinder- und Jugendbereich. Kinder und Jugendliche sind die Zukunft unseres Vereins. Hier möchten wir neue Impulse setzen, bestehende Angebote stärken und zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten schaffen.

Besonders am Herzen liegt uns dabei unser Projekt „Grün-Weiß bewegt – gemeinsam für Böckingens Kinder“. Hier haben wir bereits sehr gute Gespräche mit den kirchlichen und städtischen Kindertagesstätten im Stadtteil geführt und sind in mehreren Einrichtungen bereits aktiv.

Unser Ziel ist es, mit unseren qualifizierten Übungsleiterinnen und Übungsleitern regelmäßig Bewegungs- und Sportangebote direkt in die Kindertagesstätten zu bringen. Wir möchten Kinder bereits im frühen Alter für Bewegung begeistern und ihnen die Freude am Sport vermitteln.

Gerade in einer Zeit, in der Bewegungsmangel bei Kindern eine immer größere Herausforderung darstellt, sehen wir hier einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag. Bewegung fördert nicht nur die körperliche Entwicklung, sondern auch Konzentration, Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen.

Wir werden deshalb intensiv daran arbeiten, möglichst alle Kindertagesstätten in Böckingen in dieses Projekt einzubinden und gemeinsam nachhaltige Bewegungsangebote aufzubauen.

Ein weiterer wichtiger Baustein unserer Kinder- und Jugendarbeit ist die Kindersportschule, kurz KISS. Wir freuen uns sehr, dass wir offizieller Partner der Kindersportschule des Schwäbischen Turnerbundes sind. Der Start unserer Kindersportschule im Sportpark 1890 ist für Januar 2027 geplant.

Mit der KISS möchten wir Kindern eine vielseitige, altersgerechte und sportartübergreifende Bewegungsausbildung ermöglichen. Dabei steht zunächst nicht die Spezialisierung auf eine einzelne Sportart im Vordergrund, sondern die Entwicklung grundlegender motorischer Fähigkeiten, Koordination und vor allem die Freude an der Bewegung.

Die Kindersportschule ist für uns eine ideale Ergänzung zu unserem Kita-Projekt. Während wir mit „Grün-Weiß bewegt“ direkt in die Kindertagesstätten gehen, schaffen wir mit der KISS ein weiterführendes und langfristiges Bewegungsangebot innerhalb unseres Vereins.

Damit möchten wir eine Brücke zwischen frühkindlicher Bewegungsförderung und dem vielseitigen Sportangebot unserer Abteilungen schlagen.

Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit der Frage, welche neuen Sport- und Bewegungsangebote die Menschen in Böckingen künftig interessieren könnten. Auch die Entwicklung neuer Abteilungen oder innovativer Sportkonzepte ist Teil unserer Überlegungen.

Unser Ziel ist es, die TG Böckingen für alle Generationen attraktiv zu halten – vom Kleinkind bis ins hohe Alter.

Wie sehen Sie die Rolle der TG Böckingen in der Gesellschaft?

Sportvereine übernehmen heute weit mehr Aufgaben als früher. Es geht längst nicht mehr nur um Sport. Es geht um Gesundheit, Integration, Bildung, soziale Begegnungen und Gemeinschaft.

Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen immer mehr Zeit vor Bildschirmen verbringen, gewinnen Vereine als Orte echter Begegnung enorm an Bedeutung.

Die TG Böckingen hat hier eine große gesellschaftliche Verantwortung und gleichzeitig eine große Chance. Wir möchten Menschen bewegen, zusammenbringen und ihnen ein Stück Heimat bieten.

Dabei ist mir besonders wichtig, dass wir den traditionellen Vereinsgedanken mit modernen Strukturen und zeitgemäßen Angeboten verbinden. Ein Sportverein muss heute offen für Veränderungen sein, ohne dabei seine Wurzeln und Werte aus den Augen zu verlieren.

Wenn Sie einen Wunsch für die kommenden Jahre frei hätten – welcher wäre das?

Ich wünsche mir, dass wir die positive Entwicklung der vergangenen zwei Jahre gemeinsam fortsetzen können. Dass wir weiterhin mutig neue Wege gehen, dabei aber unsere Werte und unsere Tradition bewahren.

Und ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen die TG Böckingen als das wahrnehmen, was sie ist: ein moderner, leistungsfähiger und zugleich familiärer Verein mit einem außergewöhnlich breiten Angebot für alle Generationen.

Denn am Ende geht es nicht nur um Sport. Es geht darum, Menschen zusammenzubringen, Gesundheit zu fördern und Gemeinschaft zu leben. Genau dafür stehen die TG Böckingen und der Sportpark 1890.

Vielen Dank für das Gespräch.